
Das Verhältnis zwischen Gustav Werner und Frauen ist wahrlich interessant. Soweit wir heute wissen, schätzte er Frauen vor allem als engagierte Mitarbeiterinnen, hieß es jedoch nicht gut, sich „in natürlicher Liebe ans andere Geschlecht zu hängen“. Dennoch kamen die jungen Frauen in Scharen schon zu den morgendlichen Bibelstunden des jungen Vikars. Kaum verwunderlich, war Gustav doch trotz eigenwilliger Frisur ein durchaus ansehnlicher junger Mann. Auch seine Ideen und Ziele dürften den Damen gefallen haben.
Um dem aufkommenden Gerede ein Ende zu machen und um eine rechtmäßige Mutter für die aufgenommenen Waisenkinder zu haben, heiratete er schließlich die Bürgerstochter Albertine. Das Paar lebte in der beinahe klösterlich anmutenden Hausgemeinschaft mit Mitarbeiterinnen, Waisenkindern und anderen Pfleglingen zusammen. Diese waren ihre Familie, eigene Kinder bekamen sie nicht.
Gustav Werner sah Frauen unter Berufung auf die Bibel als „Gehilfinnen“ an, die dem Mann von Gott an die Seite gestellt werden. Und obwohl er sie kaum als „gleichberechtigt“ im modernen Sinne angesehen haben mag, bot er ihnen doch ansprechende Alternativen zu einem Leben in der traditionellen Rolle als Ehefrau und Mutter.
Von Anfang an hatte Werner vor allem weibliche Unterstützung; viele unverheiratete Frauen traten in die Hausgenossenschaft ein und engagierten sich in den Anstalten. Dort waren sie nicht zu entbehren und meist in leitenden Positionen tätig. In Jungfrauenvereinen strickten, nähten und stickten sie unentgeltlich, um die gemeinnützige Sache zu unterstützen.
Die ersten Grundschullehrerinnen in Baden-Württemberg stammten aus seinem Gefolge, und nach seinem Tod führten die Schwestern Merkh die Stiftung weiter. Ohne die Frauen wäre Werners Werk nicht möglich gewesen.